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WANGEN - Die gerade gegründete Firma weber-LED GmbH will mit revolutionärer LED-Leuchten-Technik aus dem Allgäu für Straßen, Hallen, und Großflächen den internationalen Markt erobern. Städte und Gemeinden in Oberschwaben, die Öko-Stadt Masdar in Abu Dhabi zeigen bereits Interesse, der Flughafen München auch.

Von Sylvio J. Godon

Sie heißen „Jupiter“ oder „Sirius“, wie Gestirne – die leuchten ja auch. Die neue Generation von Straßenlampen will die Beleuchtung des öffentlichen Raumes revolutionieren, Kommunen Firmen und Privaten dabei helfen, Geld zu sparen, und einen großen Beitrag zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes leisten.

13 500 Mannstunden hat allein Elektromeister Gerhard Weber in die Entwicklung investiert, der Rest des umtriebigen Teams noch einmal 2000 Stunden. Leuchten für Pilotprojekte in Wangen, Biberach und im Leuchtenpark der EnBW sind installiert. Die Firma ist gegründet, der business-Plan für die Jahre 2009 bis 2013 fertig. Jetzt steht die High-Power-LED aus dem Allgäu kurz vor der Markteinführung. Vier Produktfamilien (Straßen, Parkhäuser, Hallenbeleuchtung und Innenstrahler) sind geplant. Lichtzukunft verkaufen „Wir verkaufen Lichtzukunft und können die Energiekosten für den Betrieb von Lampen im öffentlichen Raum auf einen Schlag halbieren“, sagt Weber. Er ist der Daniel Düsentrieb unter den Gesellschaftern. LEDLampen werden sehr heiß . Bisher eher ein Manko wegen der enormen Hitze, der Werkstoffe im Inneren der Lampe ausgesetzt sind. Jetzt nicht mehr. Weber, der lange Jahre in der Großindustrie gearbeitet hat, ist es gelungen, eine neuartige LED-Leuchte zu entwickeln. Sie verbraucht 50 Prozent weniger Energie als Leuchten mit NAV-Technik, sogar 80 Prozent weniger Energie als Leuchten mit HQL-Technik und die Lichtqualität leidet nicht darunter, wie Weber betont. Weniger Energiebedarf sei weniger CO2-Ausstoß. „Wir haben das Problem der Wärmeabfuhr in der LED-Leuchte gelöst“, sagt er. Entscheidender Vorteil: Die Lebensdauer ist acht mal so hoch wie die herkömmlicher Produkte, die im Schnitt 8000 Stunden halten. „Wir garantieren eine Mindest-Betriebsdauer unserer Leuchten von 50000 Stunden“, verspricht der Elektromeister. Sein größter Wunsch ginge in Erfüllung, wenn „Wangen die erste komplett LED-beleuchtete Stadt werden würde“.

Dirk Fischer, geschäftsführender Gesellschafter, nennt zusätzliche Pluspunkte der Innovation. „Die LED, die wir entwickelt haben, besitzt niemand. Die bisherigen Leuchten haben 60 Lumen pro Watt Lichtausbeute, unsere hat 100 Lumen pro Watt.“ Geboten werde außerdem eine höhere Betriebsflexibilität. Straßenleuchten mit weber-LED ließen sich in drei Stufen dimmen bis auf 33 Prozent der Lichtintensität, die immer noch ausreiche, um beispielsweise nachts zwischen 1 und 3 Uhr einen Fußgänger gut zu erkennen. Die LED-Leuchten seien überdies umweltverträglich und wartungsfreundlich. Die verwendeten Stoffe ließen sich zu 99 Prozent wiederverwerten. Die Leuchten enthielten kein Quecksilber und schadeten Insekten nicht.

Abu Dhabi hat Interesse „Das Interesse an unserer neuen Technik ist sehr groß“, weiß Fischer. Mit mehr als 20 Kunden stehe die weber- LED GmbH zwischenzeitlich in Kontakt. „Die sind begeistert, in allen Gemeinden, mit denen wir bisher gesprochen haben, gibt es positive Signale“, sagt Martin Werdich, Diplom-Ingenieur für Maschinenbau und Mitgesellschafter der weber-LED. Vor allem Städte und Gemeinden aus Oberschwaben, aber auch ein großes Autohaus in Württemberg, interessierten sich für die neue Technik. „Das ist ein Riesenmarktpotenzial“, pflichtet ihm Diplom-Kaufmann und Gesellschafter Thomas Hölz bei. Ein EU-Gesetz zwinge Städte und Gemeinden in den nächsten Jahren dazu, die Beleuchtungen auf moderne Technik umzustellen.

Laut Dirk Fischer ist weber-LED auch mit dem Münchener Flughafen im Gespräch. Der erwäge sein Parkhaus – das Europa weit größte mit jährlich zwei Millionen Euro Energiekosten – neu auszustatten. Die Erbauer der emissionsfreien Stadt Masdar, die in Abu Dhabi enstehe, seien ebenfalls an dem Knowhow aus Wangen interessiert. Dort werde es demnächst eine Präsentation geben.

Für die Aufnahme der Serienproduktion ist die Firma weber-LED bereits gerüstet. Die Produktion auf 200 Leuchten pro Tag innerhalb von vier Wochen hochzufahren, stellt, wie Elektromeister Gerhard Weber versichert, kein Problem dar. Aufträge in größerem Umfang hat die weber-LED bisher zwar noch nicht abgeschlossen. Doch ist Dirk Fischer zuversichtlich, dass sich die neue LED-Leuchtentechnik aus Wangen durchsetzen wird. „Über ein Großprojekt oder einen Investor würden wir uns natürlich freuen“, sagt er und untermauert das mit einem Beispiel: „Wenn eine Gemeinde hergeht und beispielsweise einen Kredit auf zehn Jahre zu fünf Prozent für die Umrüstung aller ihrer Lampen finanziert, dann wären die jährlichen Betriebs- und Finanzierungskosten der neuen Technik immer noch niedriger als die Betriebskosten der aktuellen besten Alternative.“